Montag, 8. Juni 2015

Festivalkritik: Rockavaria 2015



... ein Festival für München oder so…

Blick auf die Mainstage im Olympiastadion

Mit reichlich Vorschusslorbeeren und einem rocklastigen Lineup der Superlative schickte die Deutsche Entertainment AG, kurz DEAG, am vergangenen Wochenende bei bestem Wetter ihr neues Festival „Rockavaria“ in München an den Start.
Endlich wieder ein Festival für und in München, endlich sollte nun der seit Jahrzehnten vorhandene weiße Fleck auf der Festivalkarte getilgt werden. Doch was ist nach dem 3 Tage dauernden Feuerwerk der Konzertgrößen geblieben? Zeit Bilanz zu ziehen und die zeigt vor allem eins, das Rockavaria ist eben alles nur leider kein Festival, darf aber trotzdem wieder kommen.

Aber ein Festival, muss das Rockavaria auch nicht sein. Hand aufs Herz, braucht es wirklich Zelte, Augenringe und schlammverkrustete Kleidung für guten oder authentischen Musikgenuss? Ein klares „natürlich nicht“ und so hat das Rockavaria abseits der unweigerlich stattfindenden Festivaldiskussion, neben weiteren Kritikpunkten auch ganz klar viele Pluspunkte und positive Resonanz sammeln können.

Wer das Provisorium der Organisation eines klassischen Festivals kennt, der weiß  durchaus die Vorteile einer vorhandenen Infrastruktur zu schätzen. Stichwort Schlammpfade und Dixiklo-Burgen, Dinge die man keinesfalls vermisst. Auch muss hier nochmal erwähnt werden, der Eintausch der Eintrittsbändchen hat gerade 5min gedauert. Das ist in meiner Festivalhistorie Rekord, wovon sich altgediente Festivals durchaus mal eine Scheibe abschneiden dürfen.

gesperrtes Theatron
Aufgeteilt in drei Stages konnte man sich zwischen Seebühnen-/Hallenkonzert oder Stadionatmosphäre entscheiden. Wieso man dabei aber das durchaus sehr begrenzte Theatron incl. eines Stehverbots als dritte Location genutzt hat, anstatt eine Bühne am Coubertinplatz, ähnlich wie beim „Energy in the Park“ aufzubauen, blieb ein Rätsel.
So war dann eben dieser Platz leider auch nur eine lieblose Durchgangsstation mit den üblichen Fress-/ und Saufbuden. Da wäre mehr drin gewesen. Insgesamt fehlte dem Rockavaria grundsätzlich überall ein wenig Liebe zum Detail.




Blick auf die Sitzplätze im Stadion kurz vor Metallica
Was sehr gut gefiel war die insgesamt sehr unaufgeregte Art des Rockavaria. Trotz einer Größe von 45.000 Zuschauern pro Tag konnte es mit seiner Gemütlichkeit die vollkommen entspannten Besucher überzeugen. Von Hektik auf dem Gelände oder den Bühnen war keine Spur. So konnte man ohne den üblichen Stress eines Festivals die Musik genießen und darauf kommt es schlussendlich an. 
 Hier spielte das Rockavaria auch seine eigentliche Stärke, ein mit ausgezeichnetem Blick für das Detail zusammengestellte Line-Up, aus. Neben den Headlinern überzeugten auch die Co-Headliner und supporting Acts durchweg mit guten Auftritten. Das ist auch nicht immer so. Mit Metallica setzte das Rockavaria dann zum Abschluss noch ein sprichwörtlich lautes Ausrufezeichen.

So bleibt abschließend der Eindruck, dass zwar noch Luft nach oben vorhanden ist, der Veranstalter aber im durchaus schwierigen Münchner Umfeld schon einmal vieles richtig gemacht hat. Wenn er dann auch aufhört Sitzplätze im Stadion ohne Zutritt zum Stehbereich für den gleichen Preis zu verkaufen obwohl der vornehmliche Mehrwert der Reservierung weder die schlechte Sicht, noch den schlechten Sound und schon gar nicht die notorisch unbequemen Retro 70ziger Jahre Sitzschalen rechtfertigen, dann darf das Rockavaria gerne wieder kommen.

PPP / VP




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